Herausforderungen und Chancen für die Präsenzlehre

Durch die Corona-Krise wurde im laufenden Vorlesungsbetrieb die Präsenzlehre auf digitale Lehre umgestellt. Für viele Lehrende und Studierende ist das neu und auch die zentralen Einheiten der Jade Hochschule müssen sich auf die neue Situation einstellen. Dabei gilt es einige Herausforderungen zu bewältigen, es entwickeln sich daraus aber auch Chancen für die Zukunft.

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Der erste Online-Studiengang „Wirtschaftsingenieurwesen“ wurde bereits 2003 an der Jade Hochschule eingeführt. Inzwischen gibt es fünf Online-Bachelor- und zwei Online-Masterstudiengang. Doch nach wie vor zeichnet sich die Jade Hochschule auch durch das vielfältige Angebot der über 40 Präsenzstudiengänge aus. Diese sind es, die durch die Corona-Pandemie besonders stark betroffen sind und aktuell didaktisch umstrukturiert werden müssen.

Präsenzlehre gibt Studierenden eine wichtige Struktur
„Ein ganz klarer Unterschied zwischen Online- und Präsenzlehre ist der persönliche Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden“, erzählt Prof. Dr.-Ing. Harald Lohner, Direktor des Instituts für Online-Lehre. „Für die Studierenden kommt hinzu, dass sie schwerer Lerngruppen bilden können und der Austausch untereinander fehlt.“ Lohner lehrt sowohl in der Präsenz- als auch in der Onlinelehre. Für ein Onlinestudium entscheiden sich Studierende meistens aufgrund ihrer Lebenssituation. Über 90 Prozent von ihnen studieren in Teilzeit, neben dem Beruf oder in Elternzeit. Im Onlinestudium wird daher auf eine Kennlernphase, intensive Kommunikation mit den Lehrenden und umfassende Unterstützung durch ein Online-Team gesetzt. Da sie nicht persönlich angesprochen werden können, spielt laut Lohner die „aktivierende Lehre“ eine besonders große Rolle.

Und genau vor diesen Herausforderungen steht jetzt die Präsenzlehre. So musste auch Anja Willmann aus dem Fachbereich Architektur ihre Lernkonzepte anpassen. „Es fehlt nicht nur die gemeinsame Zeit mit den Studierenden, sondern es fehlt auch der Austausch zwischen ihnen und das Lernen voneinander“, erzählt die Professorin für Konstruieren, Energie- und Gebäudetechnik. Module müssen didaktisch umgestellt, Abgaben angepasst und Praxisprojekte digital umgestaltet werden.

Digitale Lehre zukünftig dort integrieren, wo es sinnvoll ist
Unter den Lehrenden findet diesbezüglich ein Austausch statt. Dabei entstehen Chancen für die Präsenzlehre, die eine Etablierung von digitalen Lehrinhalten dort, wo es sinnvoll ist, möglich machen. „Wir brauchen mehr digitale Elemente in der Lehre. Dabei geht es keinesfalls um eine komplette Umstellung der Präsenz- zur Onlinelehre, sondern um eine Kombination aus beidem, um die Lehre noch lebendiger zu gestalten“, betont Lohner.

Für eine digitale Lehre müssen Lehrkonzepte umgestaltet und beispielsweise Methoden wie „Inverted Classroom“ integriert werden. Dabei erarbeiten die Studierenden die Lerninhalte zu Hause und wenden sie im Unterricht an. Bei der Integration dieser digitalen Elemente müsse jedoch auf die Anwender- und Zielgruppenorientierung geachtet werden, ergänzt Willmann.

Die Umstellung auf digitale Lehre in der jetzigen Krise ist auch für manche Studierende schwierig, da durch die Schließung der Gebäude die Ressourcennutzung unmöglich ist. Willmann: „Es ist wichtig, dass die Studierenden mit uns kommunizieren, wenn es Probleme gibt. Nur so können wir helfen und sicherlich eine Lösung finden.“ In dieser Situation sei es wichtig, dass wirklich alle sich gegenseitig unterstützen.

„Präsenzlehre gibt den Studierenden eine wichtige Struktur in ihrem Studienalltag. Auch ist der persönliche Kontakt zu Studierenden und Lehrenden enorm wichtig“,

weiß auch der für Studium und Lehre zuständige Vizepräsident Prof. Dr. Hero Weber.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Anke Westwood
Anke Westwood

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