Vom Hörsaal ins eigene Startup

Bjarne Wiesehan ist leidenschaftlicher Fußballer, Wirtschaftsingenieurwesen Student an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven – und erfolgreicher Jungunternehmer. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, Thomas Hayen, gründete er 2018 das Oldenburger Startup Fan12. Die Idee: professionelle Onlineshops für Amateurvereine zu erstellen – ohne Aufwand für die oftmals ehrenamtlich geführten Vereine und völlig kostenfrei. Mittlerweile betreuen sie über 100 Vereine und wachsen stetig.

Menschen Studium innovativ Rundblick Interview

JW: Fan12 scheint ein echtes Herzensprojekt zu sein. Wie ist die Idee entstanden?

Wiesehan: Mein Geschäftspartner Thomas und ich spielen seit Kindheitstagen in kleinen, regionalen Fußballvereinen. Einen simplen Fanschal des Lieblingsvereins zu bekommen war damals mit einem wahnsinnigen Aufwand verbunden. Der Schal musste erst im Internet gestaltet und dann auch noch eine Mindestanzahl abgenommen werden. So ist die Idee entstanden, kostenlose Onlineshops für Vereine zu erstellen, in denen Fans die Produkte ihrer Lieblingsvereine ganz einfach und unkompliziert bestellen können.

JW: Du studierst an der Jade Hochschule Wirtschaftsingenieurwesen und hattest bei Prof. Dr. Michael Szeliga passenderweise das Modul Entrepreneurship. Inwiefern hat das auf die Selbstständigkeit vorbereitet?

Wiesehan: Ich glaube ein Studium generell bereitet sehr gut aufs Gründen vor. Der größte Faktor dabei ist das selbstständige Erarbeiten von Themen. Der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen ist sehr breit gefächert und interdisziplinär aufgestellt - von den betriebswirtschaftlichen Grundlagen über Marketing und Strategie bis hin zum Entrepreneurship. Hier haben wir auch unseren ersten Businessplan geschrieben und gelernt aus einer Idee ein betriebswirtschaftliches Konzept zu erarbeiten. Zudem kommt mir das technische Verständnis aus den ingenieurwissenschaftlichen Fächern sehr zu Gute.

Prof. Dr. Szeliga: Ein Studiengang wie Wirtschaftsingenieurwesen legt Fundamente in verschiedenen Bereichen, was gerade in der Gründungsphase sehr hilfreich ist. Oftmals müssen parallel sehr viele Themen zur Marktausrichtung, zur technischen Umsetzung und zur betriebswirtschaftlichen Realisierbarkeit diskutiert werden. Dieses übergreifende Grundverständnis bleibt dauerhaft erhalten, selbst wenn die Gründer sich anschließend, mit dem Wachstum des Unternehmens, natürlich weiter spezialisieren. 

Für die Gründung von Fan12 waren die Rahmenbedingungen günstig. Bjarne Wiesehan brachte seine Idee mit in die Veranstaltung Entrepreneurship und vom ersten Moment an war klar, dass hier etwas Vielversprechenden entstehen könnte. Auch, weil er den unbedingten Willen zeigte, etwas Eigenes aufzubauen. Ziel war es dann zunächst, aus der Idee einen Businessplan zu entwickeln. Ein wichtiger Meilenstein, der mehr Sicherheit für die eigene Entscheidung über die Selbständigkeit gibt und potentiellen Kapital-/Fördermittelgebern einen aussagekräftigen Einblick in das Vorhaben ermöglicht.

JW: Der Weg in die Selbstständigkeit kostet viel Zeit. Wie bekommst du Studium und Fan12 unter einen Hut?

Wiesehan: Zu Beginn lief Fan12 eher nebenbei. Abends, nach den Vorlesungen, haben wir die Bibliothek als Büro zweckentfremdet. Irgendwann hat sich das Blatt dann gewendet, das Studium rückte in den Hintergrund und der Kopf war hauptsächlich bei Fan12. Wir wollten dann nicht beides schleifen lassen und haben uns entschieden Fan12 erst einmal hauptberuflich und Vollzeit zu verfolgen.

JW: Was gibt es für Fördermöglichkeiten?

Wiesehan: Der große Türöffner war für uns das GIZ, das Gründungs- und Innovationszentrum in Oldenburg. Die wissen ganz genau, was es für Fördermöglichkeiten gibt. Das wohl bekannteste ist aber das EXIST Förderprogramm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem europäischen Sozialfond.

Prof. Dr. Szeliga: In der Region hat sich mittlerweile ein vielfältiges Angebot zur engagierten Unterstützung von Gründern herausgebildet. Eine gute Ausgangslage für junge Unternehmer. Für sie ist es wichtig, möglichst unkompliziert an wichtige Informationen zu gelangen und die weitere Entwicklung immer wieder mit erfahrenen Gesprächspartnern erörtern zu können.  

JW: Welche Hürden musstet ihr für den Schritt in die Selbständigkeit nehmen?

Wiesehan: Existenzängste sind immer da und vor allem zu Beginn einer Gründung extrem ausgeprägt. Eine weitere große Hürde ist die Finanzierung. Das erste Geld kam von Thomas und mir, aus unserer eigenen Tasche quasi. Wobei diese bei einem Studenten mit 21 verständlicherweise nicht so dermaßen prall gefüllt sind, dass man ein Startup damit finanzieren kann.

JW: Was habt ihr euch für Ziele gesteckt?

Wiesehan: Wir haben eine Vision. Wir wollen jedem Amateurverein in Deutschland einen Onlineshop einrichten. Und damit hören wir erst auf, wenn’s auch wirklich so weit ist.

JW: Hast du abschließend noch ein paar Tipps für Studierende, die sich selbstständig machen wollen?

Wiesehan: Scheut euch nicht eine Idee zu verwirklich und zu gründen. Auch die Angst, dass einem die Idee geklaut wird, ist unbegründet. Die zündende Idee ist nur ein Teil der Gründung - der viel größere und herausforderndere Teil ist, das Ganze auch umzusetzen. Daher kann ich nur den Tipp geben, so viel wie möglich über seine Idee mit anderen Leute zu sprechen und sich Feedback einzuholen.

Man hört und liest zudem immer wieder von den „typischen Anfängerfehlern“ der Startups. Die sollte man ernst nehmen! Einer dieser Fehler ist zum Beispiel, den Vertrieb zu unterschätzen, was wir auch zu Beginn gemacht haben. Man verheddert sich anfangs komplett in der Produktentwicklung, das ganze Kapital geht dafür drauf und man freut sich über ein gutes Produkt, das sich schon von alleine verkaufen wird. Das tut es aber in den seltensten Fällen! Am Ende ist genau das die größte Arbeit – das Produkt zu Geld zu machen.

Das Gespräch führte Daniela Wrage.

 

„Ein Studiengang wie Wirtschaftsingenieur-
wesen legt Fundamente in verschiedenen Bereichen, was gerade
in der Gründungsphase sehr hilfreich ist.“

Prof. Dr. Michael Szeliga



INFO

Die Jade Hochschule selbst bietet Studierenden mit der Gründerbox zudem ideale Bedingungen für eine Existenzgründung und unterstützt bei den ersten Schritten in Richtung Selbstständigkeit.

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