Risiken besser managen

Universität Oldenburg und Jade Hochschule erforschen Hochwassergefahr in Ostfriesland

Forschung kompetent

Wie das Risiko für Hochwasser im Binnenland in den nordwestdeutschen Küstenniederungen gesenkt werden kann, ist Thema eines aktuellen Forschungsprojektes der Universität Oldenburg und der Jade Hochschule. Das Projekt mit dem Titel „Klimaanpassung und Extremwettervorsorge – Verbandsübergreifendes Management von Binnenhochwasserrisiken im westlichen Ostfriesland“ (KLEVER-Risk) hat ein Gesamtvolumen von 350.000 Euro und wird vom Bundesumweltministerium seit Dezember 2019 für eine Laufzeit von drei Jahren gefördert. Es wird in Kooperation mit Praxispartnern aus Ostfriesland durchgeführt.

Bereits im Vorgänger-Projekt KLEVER untersuchte das Team um die Projektleiter Prof. Dr. Ingo Mose und Dr. Peter Schaal von der Universität Oldenburg sowie Dr. (habil.) Helge Bormann von der Jade Hochschule, wie sich der Klimawandel auf den Wasserhaushalt an der ostfriesischen Küste auswirkt – und wie das Entwässerungssystem angepasst werden muss, damit es in Zukunft steigende Niederschlagsmengen abführen kann. Ein Ergebnis des Projekts ist, dass die Wahrscheinlichkeit von Binnenhochwässern steigt, die durch starke Niederschläge im Deichhinterland und gleichzeitige Sturmflutwasserstände in der Nordsee verursacht werden. Der Studie zufolge reicht der bisherige technische Hochwasserschutz künftig nicht mehr aus, um den wachsenden Anforderungen durch den Klimawandel gerecht zu werden. Um das Schadenspotential von Hochwasserereignissen zu senken, müssten demnach weitere Maßnahmen ergriffen werden. „Damit die Küstenräume widerstandsfähiger werden, muss das Risikomanagement weiterentwickelt und an die zu erwartenden Folgen des Klimawandels angepasst werden“, beschreibt Projektkoordinator Jan Spiekermann von der Universität Oldenburg den Ansatz des Folgeprojektes KLEVER-Risk.

Im neuen Projekt will das Team untersuchen, welche Möglichkeiten unterschiedliche Handlungsbereiche des Hochwasserrisikomanagements bieten. Das Spektrum reicht dabei von Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes über den Bereich der planerischen und individuellen Hochwasserrisikovorsorge bis hin zu Fragen des Katastrophenschutzes. Der Untersuchungsraum des Projekts umfasst die vier benachbarten Entwässerungsverbände Emden, Norden, Aurich und Oldersum. Die Forscherinnen und Forscher wollen Defizite identifizieren und Konzepte entwickeln, um diese zu beheben. Diese Aufgabe wollen sie gemeinsam mit den betroffenen Verbänden und Kommunen, den zuständigen Behörden und der Bevölkerung lösen. Neben den vier Entwässerungsverbänden engagieren sich der Landkreis Aurich und die Stadt Emden sowie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als Kooperationspartner im Projekt KLEVER-Risk. Darüber hinaus werden zahlreiche weitere regionale Akteure eingebunden. „Wir möchten das Netzwerk, das wir im Vorgängerprojekt etabliert haben, im Rahmen von KLEVER-Risk festigen und erweitern“, sagt Prof. Dr. Helge Bormann von der Jade-Hochschule. „Es geht darum, die Wirkung der einzelnen Risikomanagementmaßnahmen und deren Synergieeffekte zu maximieren.“

Hintergrund des Projekts ist die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (Bundeskabinett, 2008). Das Papier definiert die Anpassung an die Folgen des Klimawandels als gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die ein querschnittsorientiertes Handeln und ein Zusammenwirken öffentlicher und privater Akteure erfordert.

 

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Katrin Keller
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