Kolumne: „Libra – Ist Facebooks Währung eine Alternative?“

Von Prof. Dr. Stefan Janßen, erschienen in der Wilhelmshavener Zeitung am 3.8.2019

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Die Schnelligkeit und die Richtung vieler Entwicklungen in unserer heutigen Welt erscheinen manchmal surreal. So hat Facebook - trotz des zunehmenden Unwohlseins von Bürgern und Regierungen mit seiner steigenden Durchdringung unseres Alltags und seiner Marktmacht – angekündigt, dass es nichts weniger als eine neue globale Währung erschaffen will. „Libra“ soll an einen Korb von etablierten Währungen geknüpft sein, einen Wert von etwa einem US-Dollar haben und auf dem Konzept unveränderbarer Online-Transaktionen basieren, der Blockchain. Libra soll von einer in der Schweiz angesiedelten, neuen Organisation überwacht werden, an der sich jedes Unternehmen beteiligen kann, dass einen Unternehmenswert von mindestens 1 Mrd. US-Dollar hat und mindestens 10 Mio. US-Dollar investiert. Bisher gibt es bereits 28 teilnehmende Unternehmen, so z. B. Uber, Spotify oder Mastercard. Um seine guten Absichten zu unterstreichen will Facebook sein Stimmrecht in der Organisation auf 1% beschränken.

Aber Libra ist ein Projekt, das von Mark Zuckerbergs Facebook entwickelt wird. Und Libra wird nur dann erfolgreich sein, wenn es letztlich von Milliarden Menschen, die auf Facebook angemeldet sind, über die verbundene App „Calibra“ genutzt wird, die mit Facebook Messenger und WhatsApp verbunden wird. Dabei hat Facebook Libra nicht als Projekt zur Gewinnmaximierung vorgestellt, sondern als Teil seiner weltverbessernden Menschenfreundlichkeit, die rein zufällig nebenbei aus einigen Menschen in Kalifornien Milliardäre macht. Ein wichtiges Element von Libra ist es, Geldtransfers zu sehr niedrigen oder auch ohne Kosten zu ermöglichen. So könnten z. B. Arbeitsmigranten leichter Geld an ihre Familien in ihren Heimatländern transferieren.

Wer Libra erwirbt, stellt Facebook und seinen Partnern Geld in seiner Heimatwährung zur Verfügung. Mit diesem Geld kann Facebook arbeiten, es anlegen und Erträge für sich erwirtschaften. Wahrscheinlich wird Facebook dadurch schnell ein wichtiger Investor werden. Allerdings können solche Geldanlagen natürlich auch ausfallen. Und der Wert von Libra beruht letztlich nur auf dem Versprechen von Wirtschaftsunternehmen wie Facebook, nicht auf demokratisch und rechtsstaatlich abgesicherten Zentralbanken und den dahinter stehenden Volkswirtschaften. Insbesondere gibt Libra Facebook die Möglichkeit, in eine neue Dimension bei dem vorzustoßen, was für das Geschäftsmodell von Facebook zentral ist: Daten über seine Nutzer zu sammeln und damit Geld zu verdienen.

Facebook wird wissen, wer mit wem wann welche Geschäfte gemacht hat, wie hoch das Einkommen ist sowie welche finanziellen Verpflichtungen bestehen und diese Daten auswerten und verkaufen.

 

Natürlich sagt Facebook, dass es keine Daten sammeln oder auswerten wird, ohne die Zustimmung der Nutzer. Vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen ist davon auszugehen, dass dies bedeutet, dass sich diese Facebook-Services ohne die entsprechende Zustimmung zur Datenverwendung dann eben nicht nutzen lassen. Und warum sollte man ausgerechnet Facebook vertrauen, mit seiner schlechten Historie im Umgang mit persönlichen Daten? Und wie sollte man Facebook ggf. zur Rechenschaft ziehen?

Es spricht also einiges gegen die Nutzung von Libra. Darüber hinaus können Banken und Sparkassen die Vorteile von Libra für die Nutzer relativieren, indem sie selbst günstige und schnelle Zahlungsverkehrsdienstleistungen bereitstellen und sich für neue Medien und Kanäle öffnen. Ganz real.

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