Wie wir die Krise meistern: Beratungs-Service bietet psychologische Unterstützung für Studierende

Trotz der Kontakteinschränkungen kreativ und engagiert sein und das persönliche soziale Netz am Leben halten

Menschen Corona zugewandt

Die Redaktion der Jade Welt (JW) fragt Wilfried Schumann, Leiter des Psychologischen Beratungs-Service (PBS) des Studentenwerkes am Campus Oldenburg, wie er und sein Team Studierende während der Corona-Krise unterstützen.

JW: Wie hat sich die Arbeit des Psychologischen Beratungs-Service seit Beginn der Krise verändert?

Schumann: Seit der Schließung der Universität können wir in unseren Räumlichkeiten keine persönliche Beratung mehr durchführen. Wir haben unsere Angebote daraufhin komplett auf die Beratung per Telefon, Video-Chat oder über ein datengeschütztes E-Mail-Portal umgestellt. Das funktioniert mittlerweile sehr gut und es hatte auch den Vorteil, dass viele Studierende, die während der Krise Oldenburg verlassen haben und sich beispielsweise bei ihrer Familie aufgehalten haben, weiterhin Beratungstermine mit uns wahrnehmen konnten. Gleichwohl freuen wir uns natürlich auf den Moment, an dem unsere Räume von der Universität freigegeben werden, so dass wir Studierende auch wieder vor Ort persönlich treffen können.

JW: Welche Themen werden verstärkt mit Ihnen besprochen?

Schumann: Zu Beginn des lockdown standen für viele Studierende finanzielle Sorgen und die Ungewissheit über den weiteren Verlauf ihres Studiums im Mittelpunkt. Überhaupt war es ja eine bisher völlig unbekannte Situation, dass plötzlich alle Pläne durchkreuzt waren und niemand absehen konnte, wie sich die Pandemie entwickeln würde und was das für das persönliche oder gesellschaftliche Leben bedeuten wird. Das war natürlich auch in der Beratung immer wieder Thema. Angst davor, selbst zu erkranken, spielte hingegen kaum eine Rolle, hier galt die Sorge eher den Eltern oder Großeltern. Nachdem die Kontakteinschränkungen einige Wochen in Kraft waren, zeigten sich bei uns in der Beratung die zu erwartenden Folgen: Viele Studierende kamen mit der sozialen Isolation immer weniger zurecht, beim Studieren im Home-Office entwickelten sich häufig Arbeitsstörungen, Prokrastination und Motivationsverlust und bei Studierenden, die schon vor der Krise mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen hatten, verstärkte sich diese Symptomatik.

JW: Wie können Studierende die Krise leichter meisten (falls allgemeine Tipps überhaupt möglich sind)?

Schumann: Am wichtigsten ist es, trotz der Kontakteinschränkungen kreativ und engagiert zu sein, das persönliche soziale Netz am Leben zu halten. Wenn man immer stärker im sozialen Rückzug landet, hat das in der Regel auf allen Ebenen des Lebens negative Konsequenzen. Momentan gilt es, im Rahmen der Lockerungen zu erkunden, wie man das eigene Leben wieder normalisieren kann. Dabei ist es äußerst hilfreich, nicht zu hadern und über das zu trauern, was gerade nicht geht, sondern dort aktiv zu werden, wo sich Möglichkeiten und Freiräume neu eröffnen. In Hinblick auf die Studienorganisation unter den aktuellen Bedingungen haben wir für Studierende vielfältige Materialien und Ideen auf unserer Website veröffentlicht. Und wer mit allgemeinen Tipps nicht weiterkommt, ist gerne eingeladen, auch einmal ein persönliches Coaching bei uns wahrzunehmen.

Psychologischer Beratungs-Service (PBS)

Die Mitarbeiter_innen des Psychologischen Beratungs-Service (PBS) des Studentenwerkes Oldenburg sind für die Studierenden der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg Ansprechpartner_innen bei allen persönlichen und studienbedingten Schwierigkeiten. Das kurzfristige Ziel der Beratung ist die Bewältigung einer aktuellen Problemsituation.

Kontakt Oldenburg:
Tel.: 0441/ 798-4400
pbs@sw-ol.de
Zeit für Erstkontakte ohne Anmeldung: Montag 8.30 bis 10.30 Uhr und Donnerstag 15 bis 17 Uhr

Kontakt Wilhelmshaven:
Tel.: 04421/ 985-2635
pbs.whv@sw-ol.de
Offene Sprechstunde: Montag und Donnerstag 15 bis 16 Uhr

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Katrin Keller
Katrin Keller

katrin.keller@jade-hs.de - 0441 7708-3121