Wie ein guter Filmtext jedes Thema auf die Füße bringt

Gregor A. Heussen gibt Studierenden praktische Tipps zum präzisen Erzählen

Studium Medien besser studieren

Mit einem gut besuchten Vortrag von Deutschlands wohl bekanntestem Trainer für Fernsehjournalisten, dem Grimme-Preisträger Gregor A. Heussen, hat am Donnerstag die Vortragsreihe des Instituts für Medienwirtschaft und Journalismus (InMWJ) an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven begonnen. Sein Thema: „Der Filmtext – ein flexibler Chef* im dokumentarischen Erzählerteam“.

Heussen hatte für sein Publikum, darunter viele Studierende des Studiengangs Medienwirtschaft und Journalismus, zahlreiche Ausschnitte aus verschiedensten Dokumentarfilmen mitgebracht. Anhand dieser Beispiele verdeutlichte er, welche Elemente – nämlich Schrift, Bild, Geräusch, Musik und O-Ton – außer dem Filmtext noch zum Erzählerteam gehören und wie der Filmtext als „Chef“ für das richtige Zusammenspiel aller Elemente sorgt.

Wichtig sei es dabei, dass Autoren ihren Filmtexten – oder vielmehr „dem Herrn Text“ oder „der Frau Text“, also der sogenannten „Textperson“ – ein Profil geben. Mit Alter, Geschlecht, Herkunft, Beruf und Ausbildung, einer Beziehung zur Hauptfigur des Films und einer Haltung sowohl zum Filminhalt als auch zum Publikum. So sei es beispielsweise eine gute Idee, in einem Film über die 1968-er eine etwa 30-jährige Textperson als Sprecher oder Sprecherin einzusetzen, die sich diese Zeit aufgrund ihres Alters selbst erst erarbeiten muss. Das wirke nicht so „von oben herab“ wie bei einem deutlich älteren Sprecher. Heussens Tipp an die Studierenden: „Schreiben Sie Textpersonen, die ungefähr Ihr Alter haben!“

Auf kein anderes Element im Erzählerteam, betonte Heussen, hätten Autoren so viel Einfluss wie auf den Text: „Ihr ,Herr Text‘ oder Ihre ,Frau Text‘ erzählt die Geschichte der Hauptfigur – vielleicht herablassend, vielleicht auf Augenhöhe. Der Autor hat die Möglichkeit, das zu definieren.“ Zudem könne man mit dem Text immer noch das korrigieren, was im Bild nicht ganz gelungen sei. „Behandeln Sie den Text immer mit der gleichen Sorgfalt wie die Bilder!“, appellierte Heussen an die Studierenden. „Dann kriegen Sie jedes Thema auf die Füße.“

Und noch einen Tipp zum präzisen Erzählen gab er seinem Publikum mit auf den Weg: „Streichen Sie aus Ihren Texten alles, was verallgemeinernd ist, und ersetzen Sie es durch ein recherchiertes Faktum!“

Zur Person

Gregor A. Heussen ist Autor, Trainer und Dozent für Rundfunkanstalten. Er hat Generationen von Volontären ausgebildet, die heute zu den Gesichtern gehören, die jeder kennt, der gerne mal einschaltet. Viele seiner Schützlinge haben den Grimme-Preis bekommen, wie er selbst einst auch. Er hat quasi das ABC der Dokumentarischen Dramaturgie, des Filmtextens und der Filmabnahme entwickelt. Mehr Informationen dazu gibt es auf seiner Website unter www.gregor-a-heussen.de.

"Der Filmtext gibt den Bildern die Bedeutung, die sie für die jeweilige Geschichte haben sollen: Er steuert, worauf wir gucken und nicht gucken."

Gregor A. Heussen