Traumjob Professor: „Man sollte die Chancen wahrnehmen, wenn sie kommen“

Absolvent der Jade Hochschule bildet als Professor junge Menschen aus

Menschen Studium Geoinformation besser studieren

„Wenn ich zurückblicke, stelle ich fest, wie viele Zufälle mein Leben geprägt haben.“

Prof. Dr.-Ing. Thomas Willemsen

„Man sollte die Chancen wahrnehmen, wenn sie kommen“, lautet daher auch der Rat, den er jungen Menschen mit auf den Weg geben kann. Thomas Willemsen konnte sich nach dem Besuch der Hauptschule mit einer großen Portion Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Glück seinen Traumjob erarbeiten: Professor. Der gelernte Vermessungstechniker entschied sich zunächst das Fachabitur nachzuholen, bevor er zur Wehrpflicht bei der Bundeswehr eingezogen wurde. Zum Wintersemester 2005/06 nahm der jetzt 35-jährige sein Studium der Angewandten Geodäsie am Oldenburger Campus der Jade Hochschule auf. Seit diesem Jahr ist Willemsen Professor für Praktische Geodäsie und Ingenieurvermessung an der Hochschule Neubrandenburg.

„Insgesamt wurde meine berufliche Karriere maßgeblich an der Jade Hochschule geprägt.“

Wenn sich Pläne ändern

Ursprünglich wollte Willemsen das Bachelor-Studium absolvieren und im Anschluss im Außendienst des Katasteramtes arbeiten, so der Plan. Schon früh im Studium lernte er jedoch viele neue Technologien der Vermessung kennen, sodass er schließlich seine Praxisphase lieber bei einem Laserscanner-Hersteller antrat. Während dieser Zeit riet ihm sein damaliger Chef, auch noch ein Master-Studium anzuschließen. So entschied sich Willemsen für den Master Geodäsie und Geoinformatik an der Jade Hochschule.

Man wächst mit seinen Aufgaben

Willemsen nutzte alle möglichen freien Zeiten während des Studiums, um fachpraktische Erfahrungen zu sammeln. Auch seine Master-Arbeit schrieb er in einem Unternehmen und erhielt während der Zeit das Angebot, allein ein Schiff in Südkorea zu vermessen. „Ich wurde viel gefördert“, dessen ist sich Willemsen bewusst.

Der Hamburger Lehrpreis winkt

Nach dem Studienabschluss und einigen Monaten Tätigkeit als Vermessungsdienstleister ergab sich die Möglichkeit eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) zu übernehmen mit dem Ziel der Promotion. „Wenn man noch jung ist, macht man das noch. In fünf Jahren entscheidet man sich vermutlich dagegen“, erinnert sich Willemsen und entschied sich, diese Herausforderung anzunehmen. In Hamburg wurde Willemsen schließlich 2014 für seine Lehrtätigkeiten gemeinsam mit Friedrich Keller mit dem Hamburger Lehrpreis ausgezeichnet. Die beiden waren die ersten wissenschaftlichen Mitarbeiter, die an der HCU mit diesem Preis ausgezeichnet wurden. Zuvor ging dieser Preis immer an Professor_innen.

Für die Lehre berufen

Schon während der Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter wuchs bei Willemsen das Interesse, zukünftig als Professor zu arbeiten. Dies wurde auch durch einen Lehrauftrag für Ingenieurvermessung (2013-2014) an der Jade Hochschule bestärkt.

„Man merkt, wenn man etwas macht, wofür man sich berufen fühlt und wie leicht es einem dann von der Hand geht.“

Nach der Promotion 2016 wollte er allerdings erst weitere Erfahrungen in der Privatwirtschaft sammeln. Deshalb nahm er das Angebot an, bei einem Vermessungsdienstleister als Bereichsleiter in Bremen eine Zweigstelle des Unternehmens aufzubauen.

„Von heute auf morgen änderte sich für mich alles“, berichtet Willemsen über die Geburt seiner Tochter im Jahr 2017. Die sehr anspruchsvolle und zeitaufwändige Tätigkeit in der Bereichsleitung ließ ein Familienleben nach Willemsens Wünschen nicht zu, sodass er sich früher als erwartet auf Ausschreibungen von Professorenstellen bewarb. Während der laufenden Berufungsverfahren arbeitete Willemsen an seiner Alma Mater, der Jade Hochschule. Im Fachgebiet von Prof. Dr. Thomas Luhmann war er Mitarbeiter im Verbundprojekt TurbuMetric, bis er seine Tätigkeit als Professor an der Hochschule Neubrandenburg aufnahm.

Angekommen

„Ich bin genau da, wo ich hinwollte“, stellt er jetzt fest. An der Hochschule Neubrandenburg gefalle ihm besonders die familiäre Atmosphäre. Die Wege sind kurz und die Ausstattung für die Ingenieurmesstechnik sehr gut. „Ich freue mich besonders, wenn Studierende etwas lernen wollen. Ich bin aber nicht so naiv zu glauben, dass sich alle für mein Thema interessieren.“

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Maike Arnold
Maike Arnold

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