Systemrelevanter Nebenjob – Herausforderung Einzelhandel in Krisenzeiten

Durch die Coronakrise haben viele Studierende ihren Job verloren. Yvonne Gertje hatte Glück – sie arbeitet im Lebensmitteleinzelhandel, der in Krisenzeiten wie diesen systemrelevant ist. Yvonne konnte weiter in ihrem Nebenjob tätig sein, doch ihr Arbeitsalltag veränderte sich.

Förderung zugewandt Studium

Viele Überstunden und trotzdem Spaß am Job

Neben ihrem Wirtschaftsstudium an der Jade Hochschule am Campus Wilhelmshaven arbeitet Yvonne seit vier Jahren im Verbrauchermarkt. Nicht nur, um ihr Studium zu finanzieren, sondern auch, um für sich selbst einen Ausgleich zu schaffen. Der Job macht ihr Spaß, doch in letzter Zeit war er sehr herausfordernd. „Mein Arbeitsalltag hat sich gewaltig verändert. Meine Kollegen und ich kommen in letzter Zeit ziemlich oft an unsere Grenzen und sind überlastet. Zum Glück ist noch keiner von unseren Kollegen an Corona erkrankt. Alle machen im Moment eine Menge Überstunden“, erzählt Yvonne.

Hohe Belastung neben dem Studium

Da Yvonne mit ihrem Studium schon weit fortgeschritten ist, konnte sie auf die erhöhte Arbeitsbelastung besser reagieren. Auch die Aussetzung der Präsenzlehre ermöglichte ihr, die Arbeitszeiten besser mit dem Studium zu kombinieren und ihre Kollegen bei der wachsenden Belastung im Einzelhandel zu unterstützen.  

Die intensiven Hygienemaßnahmen und deren Einhaltung waren für Yvonne und ihre Kollegen eine zusätzliche Herausforderung. „Einige Kunden zeigten sich zu Anfang uneinsichtig und wollten unsere Maßnahmen zum Schutz aller Menschen nicht annehmen. Viele beschwerten sich bei der Zentrale oder machten ihren Unmut laut im Geschäft deutlich“, so die Studentin. Doch es gab auch Kunden, die ihre Dankbarkeit zum Ausdruck brachten. „Teilweise haben wir als Zeichen der Anerkennung Schokolade und Kuchen spendiert bekommen. Das waren nette Gesten.“

„Hamsterkäufe“ und ihre Wirkung

Besonders anstrengend waren die Wochen, in denen sich viele Menschen zu „Hamsterkäufen“ hinreißen ließen. „Viele unserer Kunden waren hektisch und kauften teilweise ein, als ob morgen Ostern und Weihnachten zusammenfallen würden“, erzählt Yvonne. Durch die „Hamsterkäufe“ und das veränderte Kaufverhalten waren die Lieferketten überlastet, Lager und Regale blieben leer.

Für die Arbeit im Einzelhandel ist sorgfältiges Arbeiten unter Druck Alltag und auch der freundliche Umgang mit Kunden ist selbstverständlich. „Es gab in den letzten Wochen zahlreiche Tage, an denen dies unmöglich war. Wir können längst nicht mehr so serviceorientiert arbeiten wie sonst, weil wir nicht mehr alles schaffen. Wir versuchen trotzdem das Beste daraus zu machen und mit Spaß an die Arbeit zu gehen“, so Yvonne.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Anke Westwood
Anke Westwood

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