Prof. Dr. Juliane Benra ist neue Vizepräsidentin der Jade Hochschule

„Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und ein äußert interessantes Ressort in spannenden Zeiten“

Menschen Interview zugewandt kompetent innovativ

Prof. Dr. Juliane Benra wurde jetzt als Vizepräsidentin für Internationales sowie Informations- und Mediensysteme der Jade Hochschule gewählt. Zum 1. September übernimmt die Professorin das Amt von Prof. Dr. Uwe Weithöner, der kürzlich in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die Redaktion der Jade Welt (JW) fragt nach...

JW: Frau Prof. Dr. Benra, was reizt Sie an dem neuen Amt?

Benra: Bei meiner Arbeit als Hochschullehrerin machen mir viele Dinge Freude, insbesondere die Lehre und der Umgang mit jungen, interessierten Menschen. Gleichzeitig habe ich auch immer eine gewisse Vielfalt in den Aufgabenstellungen begrüßt. Daher habe ich des Öfteren neue Aufgaben innerhalb der Hochschule übernommen. Ich denke, ich war in so gut wie allen Gremienarten tätig und  habe eine ganze Reihe von Funktionen/Ämtern innegehabt (z.B. Datenschutzbeauftragte, Studiendekanin, Forschungsdekanin, Projektleiterin).

Jede dieser Aufgaben hat mich neue Aspekte des Mikrokosmos Hochschule verstehen lernen, was ich als sehr bereichernd empfunden habe. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn ich auch der Herausforderung eines Amts im Präsidium der Hochschule positiv gegenüber stehe. Genau das Ressort Internationales, Informations- und Mediensysteme reizt mich, da es viele Bereiche beinhaltet, in denen ich mich gut verortet fühle: Ich habe bereits im internationalen Umfeld in der Industrie gearbeitet und an der Hochschule internationale Projekte geleitet. Der Bereich Informations- und Mediensysteme passt zu meinem Background als Informatikerin. Ich kenne und schätze die Leitungen der zugeordneten Einheiten (IO, HRZ und Bibliothek) seit vielen Jahren und weiß, dass man mit dem Team viel bewegen kann. Letztlich ist ja die wesentliche Motivation für ein solches Amt auch, dass man mitgestalten kann.

JW: Welche Herausforderungen sehen Sie auf sich zukommen?

Benra: Grundsätzlich übernehme ich von Vizepräsident Prof. Dr. Uwe Weithöner ein gut bestelltes Feld, so dass ich auf einer guten Basis aufsetzen kann. Eine Herausforderung, mit der momentan die ganze Welt kämpft, sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Diese betreffen mein zukünftiges Ressort ebenfalls ganz erheblich: Das Hochschulrechenzentrum kämpft an vorderster Front, um allen Hochschulangehörigen eine funktionsfähige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Dabei ist es insbesondere problematisch, dass man viele Dinge nicht einfach hochskalieren kann, indem man Geld in das System gibt.  Es muss immer auch Menschen geben, die die neue Hardware in Betrieb nehmen und warten können, und die eventuellen Folgen für andere Bereiche der Infrastruktur mitdenken.

Ebenfalls Corona-bedingt gibt es viele zusätzliche Herausforderungen im Bereich der Bibliotheken. Vorgaben hinsichtlich der Einhaltung von Hygiene- Arbeitsschutzanforderungen kollidieren mit baulichen Einschränkungen, so dass leider manche lieb gewordene Möglichkeit (z.B. die Bibliotheken als Studierendenarbeitsplatz) auf der Strecke bleibt. Auch hier arbeitet das Team mit Hochdruck daran, soviel Service und individuelle Beratung wie möglich bieten zu können.

Beim International Office ist man mit einer Vielzahl an Problemen, die aus der Pandemie resultieren, konfrontiert: „Outgoing“-Studierende kontaktieren das Team, um mit den aktuellen Beschränkungen im geplanten Gastland klar zu kommen und für „incoming“-Studierende ist ein ganzes Servicepaket geschnürt worden, von einer Betreuung in einer eventuellen Quarantäne-Zeit bis zu einem Notfonds.

All die oben genannten Aktivitäten bedeuten immer auch Abstimmungsprozesse mit einer Vielzahl anderer Akteure innerhalb und außerhalb der Hochschule. Ich möchte alle Beteiligten dabei unterstützen, sich konstruktiv abzustimmen.

Werdegang

Prof. Dr. Juliane Benra studierte Mathematik in Saarbrücken und Hannover. Anschließend arbeitete sie als Projektleiterin und Software-Ingenieurin in der Industrie – unter anderem bei Philips. Berufsbegleitend promovierte sie an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg in der Informatik. 1997 wurde die gebürtige Ludwigshafenerin auf eine Professur für die Themengebiete Echtzeitdatenverarbeitung und Betriebssysteme an die Jade Hochschule berufen. Sie forschte unter anderem in EU-geförderten internationalen Projekten im regionalen Infrastruktur-Bereich (z.B. ITRACT).
Von 2012 bis 2017 war Benra als Studiendekanin im Fachbereich Ingenieurwissenschaften tätig. Sie engagiert sich im Senat der Jade Hochschule, im Fachbereichsrat des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und als Mitglied im Leitungsgremium HISinOne-Projekt.

„Ich freue mich sehr, dass Juliane Benra mit ihren herausragenden Kompetenzen und Erfahrungen sowohl als Informatikerin, als auch aus ihren Projekte in der internationalen Zusammenarbeit und der regionalen Entwicklung eine Schlüsselposition im Präsidium der Jade Hochschule übernimmt. Sie kennt die Hochschule aus ihrer Funktion als Studiendekanin im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und als Senatorin bereits sehr gut und ich danke ihr dafür, dass sie den schönsten Beruf der Welt – Professorin an der Jade Hochschule zu sein – für eine noch schönere Aufgabe zurückstellt!“

Hochschulpräsident Prof. Dr. Manfred Weisensee

JW: Welche Themen werden Sie zuerst angehen?

Benra: Es gibt eine ganze Reihe von Themen, die interessant sind, so dass ich hier nur beispielhaft einige nennen kann.  Durch den bisherigen Amtsinhaber wurde hier manches in die Wege geleitet, was ich nun weiter vorantreiben darf.

So ist die mit vielen Beteiligten erarbeitete Internationalisierungsstrategie der Hochschule nun vom Senat und dem Hochschulrat verabschiedet worden. Damit stehen für die Hochschule Ziele und  ein Maßnahmenkatalog zu deren Erreichungfest. Wir sind somit auf einem guten Weg.

Ein wichtiges Ziel ist es,  in Wilhelmshaven ein „Jade College“ einzurichten  (hoffentlich mit Hilfe von DAAD Mitteln)–, das es ermöglicht, besser als bisher ausländische Studierende auf ein Studium bei uns vorzubereiten. Wir erhoffen uns dadurch einen reibungsloseren Übergang in das Studium und eine Bindung von ausländischen Studierenden an unsere Hochschule/Region. Dieses College könnte den Problemen, die unsere Region aus dem demographischen Wandel erwachsen, etwas entgegenhalten.
Die Bibliothek befindet sich schon seit Jahren in einem Innovationsprozess, bei dem kontinuierlich zunehmend auf digitale Medien gesetzt wird. Gerade in der letzten Zeit haben sich die hier angefangenen Wege sowohl für Lehrende, als auch für Studierende als hilfreich erwiesen. Ein weiteres wichtiges Thema aus dem Medienbereich ist das Thema „Open Access“, bei dem Forschungsergebnisse ohne Kosten  für  Leser_innen  zur Verfügung gestellt werden sollen. Hier wurde bereits eine „Open Access Policy“ verabschiedet, die Forscherinnen und Forschern bei der Open Access Veröffentlichung ihrer Ergebnisse unterstützt. Dies ist wiederum mittlerweile bei vielen Drittmittelgebern ein Entscheidungskriterium bei der Vergabe von Forschungsmitteln.

Eine kontinuierliche Anpassung an neue Entwicklungen wird vom Hochschulrechenzentrum schon lange betrieben, so gibt es beispielsweise seit 2019 für unsere Forscherinnen und Forscher die Möglichkeit auf hochperformante Rechner der Universität zuzugreifen. Sicher wird man mit Augenmaß auf die in der Corona-Zeit erfolgten Beschaffungen nach der Pandemie herangehen müssen und beispielsweise schauen müssen, ob es auch in Zukunft notwendig sein soll, viel Videomaterial speichern zu können. Wahrscheinlich wird sich an der Lehre durch die Pandemiesituation auch dauerhaft etwas geändert haben, und mehr digitale Unterstützung genutzt werden. Das Team für das Betreiben der Moodle-Plattform, die den Studierenden Lehrmaterial zur Verfügung stellt und Interaktion ermöglicht, wird hier sicher eine entscheidende Rolle spielen.

Schon seit längerer Zeit bin ich in das Projekt der Einführung einer neuen Software für die Verwaltung insbesondere der Studierenden involviert (HISinOne). Auch in diesem Bereich – Unterstützung der Hochschulprozesse durch Software – gibt es viel zu tun. Es gibt immer wieder neue Anforderungen, die an die Hochschulen durch gesetzliche Veränderungen herangetragen werden. Momentan bin ich bereits in einem Projekt „XHochschule“ aktiv, wo die Auswirkungen des Online-Zugangs-Gesetzes auf die Hochschulen ausgelotet werden.

JW: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Benra: Zunächst einmal wünsche ich mir – wahrscheinlich wie der Rest der Welt – dass wir möglichst gut durch die Pandemiezeiten kommen, sowohl persönlich, als auch als Hochschule. Ein Wiederbeginn der Präsenzlehre wäre mir ein Herzensanliegen, denn der persönliche Kontakt ist einfach nicht zu ersetzen. Sobald wieder mehr persönliche Kontakte möglich sind, würde ich mich auch freuen, stärker als es momentan möglich ist, in der Region die Vernetzung der Hochschule zu unterstützen – und das Netzwerk zu pflegen, dass  Kollege Weithöner über viele Jahre aufgebaut hat.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Katrin Keller
Katrin Keller

katrin.keller@jade-hs.de - 0441 7708-3121