Personalrat im Gespräch: Sven Gorny und Judith Legrand

„Im Idealfall sehen wir in zehn Jahren Veränderung und ständige Verbesserung als den Normalfall an und freuen uns darüber, wenn Leute, Sachen, Umstände anders sind.“

Menschen Personalrat zugewandt

Im März wurde der Personalrat der Jade Hochschule neu gewählt. Die Redaktion der Jade Welt (JW) stellt in den kommenden Wochen die Personalratsmitglieder vor. Heute: Sven Gorny und Judith Legrand.

JW: Lieber Herr Gorny, Sie arbeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter (WiMi) im Fachbereich Ingenieurwissenschaften. Welche Themen möchten Sie als Vertreter der WiMis im Personalrat voranbringen?

Gorny: Hallo Frau Keller! An der Jade Hochschule leben wir unter dem sprichwörtlich gleichen Dach teilweise in sehr unterschiedlichen Arbeitswelten. An bestimmten Stellen ist es deshalb besonders wichtig, unsere Heterogenität abzubilden, damit möglichst viele Sichtweisen berücksichtigt werden. Es geht mir also weniger um besondere Interessen der WiMis, sondern viel mehr darum, viele unterschiedliche Blickwinkel auf das gleiche Thema zusammen zu bringen.
Ein zentrales Thema des Personalrates sind zum Beispiel Dienstvereinbarungen, die stellvertretend für alle Beschäftigten mit der Dienststelle geschlossen werden. Darin werden so grundlegende Belange geregelt, wie die elektronische Zeiterfassung, unsere flexible Arbeitszeit oder auch die mobile oder Tele-Arbeit. Dabei haben wir WiMis in den Fachbereichen natürlich teils andere Bedürfnisse, als Kolleg_innen in der Verwaltung, den zentralen Einrichtungen, oder an anderer Stelle. Diese Bedürfnisse zusammen zu tragen und eine für uns alle sinnvolle Lösung zu finden, ist mein Hauptinteresse im Personalrat.

JW: Warum macht es aus Ihrer Sicht für WiMis Sinn, an der Selbstverwaltung der Jade Hochschule mitzuwirken – auch wenn die Arbeitsverträge mitunter befristet sind?

Gorny: Die Anzahl der Beschäftigten, die für einige Jahre oder noch kürzer in wissenschaftlichen Projekten an der Jade Hochschule beschäftigt sind, wird stetig größer. Das hängt mit der politisch gewollten Neuausrichtung der Hochschulen auch in Richtung Forschung zusammen. Dieser wachsende Anteil von Kolleg_innen muss in der Selbstverwaltung vertreten sein, damit ihre Sichtweise dort gehört wird. Wer noch nie mit wissenschaftlichen Projekten zu tun hatte, kann die Mechanismen dahinter kaum kennen, die im Zusammenspiel mit unseren Prozessen an der Hochschule teilweise, vorsichtig formuliert, zu recht „interessanten“ Ergebnissen führen können. Diese Expertise brauchen die Gremien. Auch wenn jemand „nur“ ein paar Jahre bei uns ist, haben diese Kolleg_innen hoffentlich ein Interesse in dieser Zeit ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Letztlich gibt es kaum Arbeitsstellen, an denen so viele Möglichkeiten bestehen, das eigene Arbeitsumfeld und die eigenen Arbeitsbedingungen, so direkt positiv zu beeinflussen wie an Hochschulen.

JW: Was sollte sich in zehn Jahren im Idealfall an der Jade Hochschule verändert haben?

Gorny: Die einfachste Frage zum Schluss… wie viel Zeit haben Sie? In vielen Belangen sind wir von der Politik abhängig und da wage ich im Moment kaum eine Prognose, wie wichtig Wissenschaft und Lehre in den nächsten zehn Jahren genommen werden.
Davon unabhängig werden wir viel schneller als wir gerade denken nicht nur zu neuen Lehrformen sondern auch neuen Arbeitsformen kommen - und das wird nicht immer einfach. Ich denke da im Kleinen an ineffiziente Prozesse und schlechte Kommunikation, über die wir uns sicher alle oft ärgern, und die wir in zehn Jahren hoffentlich gemeinsam deutlich verbessert haben werden.
Im Großen müssen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherlich weiter denken und daran arbeiten, unsere Berufstätigkeit mit den unterschiedlichsten, sich verändernden Lebensmodellen zusammenzubringen. Dazu gehören Themen wie Gesundheitsschutz, Arbeitsverdichtung, psychische Belastung und viele andere.
Um das zu bewältigen, müssen wir weiterhin unsere Unterschiedlichkeit als Stärke nutzen. Wir kommen aus so vielen verschiedenen Fächern, Hintergründen und Lebensumständen. Wenn wir diese Erfahrungen nutzen, um unsere gemeinsamen Arbeitswelten besser zu machen, bekommen wir diese Themen hoffentlich in den Griff.
Im Idealfall sind wir in zehn Jahren mit unserer Unternehmenskultur soweit, dass wir Veränderung und ständige Verbesserung als den Normalfall ansehen und uns darüber freuen wenn Leute, Sachen, Umstände anders sind.

In der gesamten Zeit im öffentlichen Dienst ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Kolleg_innen nicht unbedingt wissen, dass sie neben den Pflichten auch Rechte haben.

Judith Legrand

Judith Legrand ist stellvertretende Personalratsvorsitzende und arbeitet seit Jahren im Personalrat der Jade Hochschule mit. Sie war lange im Labor tätig und engagiert sich jetzt besonders im Arbeits- und Gesundheitsschutz.

JW: Liebe Frau Legrand, welche Fragen zum Thema Arbeitsschutz wurden an den Personalrat herangetragen – vor und während der Corona-Krise?

Legrand: Es wurden allgemeine Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz gestellt, besonders zur Ergonomie am Arbeitsplatz.

JW: Wie setzt sich der Personalrat während der Corona-Krise für den Schutz der Beschäftigten ein?

Legrand: Der Personalrat versucht nach bestem Wissen und Gewissen den Kolleg_innen zur Seite zu stehen, um sie im Arbeits- und Gesundheitsschutz zu unterstützen.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Katrin Keller
Katrin Keller

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