Open Access: Forschungsergebnisse allen Interessierten zugänglich machen

Sonja Clauditz ist neue Open-Access-Beauftragte

Menschen Forschung Interview Hochschulpolitik zugewandt

Ziel der Jade Hochschule ist es, die Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte allen Interessierten zugänglich zu machen. So sollen der wissenschaftliche Austausch und der Transfer von Wissen und Technologie in Wirtschaft und Gesellschaft intensiviert werden. Die Jade Hochschule unterstützt daher das Prinzip des Open Access (OA): „Die nach diesem Prinzip bereitgestellten Ressourcen sind ohne Zugangsbeschränkungen frei nutzbar“, erklärt Prof. Dr. Uwe Weithöner, Vizepräsident für Internationales, Informations- und Mediensysteme.

„Wir unterstützen unsere Forschenden bei der Publikation ihrer Ergebnisse in qualitätsgeprüften Open-Access-Zeitschriften unter anderem durch einen Publikationsfonds und ein umfangreiches Beratungsangebot seitens der Hochschulbibliothek.“

Eine entsprechende Strategie hat das Präsidium kürzlich verabschiedet. Zudem wurde Sonja Clauditz, Leiterin der Zentralen Digitalen Services der Hochschulbibliothek, als Open-Access-Beauftragte benannt. Die Jade Welt (JW) fragt nach…

JW: Frau Clauditz, welche Hauptpunkte beinhaltet die Open Access-Strategie der Jade Hochschule?

Clauditz: In der OA-Policy empfiehlt die Hochschulleitung den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Forschungsergebnisse unmittelbar mit freier Lizenz in qualitätsgeprüften OA-Publikationen zu veröffentlichen. Diese Veröffentlichungen erhöhen die Sichtbarkeit der Forschungsarbeit, eröffnen zeitnah die Möglichkeit zum Austausch über die Ergebnisse und tragen maßgeblich zum schnellen Wissenstransfer bei.
Mit der Verabschiedung der Leitlinie bekräftigt die Jade Hochschule ihre Unterstützung des Open-Access-Prinzips wie es beispielsweise in der „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ formuliert ist. Die Hochschule wird dieser Erklärung in Kürze beitreten.
Neue Publikationsformen und -prozesse erfordern entsprechend angepasste Infrastrukturen. Diese schafft die Hochschule auf Basis ihrer neuen OA-Policy (Richtlinie). 2019 konnte bereits ein DFG-geförderter OA-Publikationsfonds eingerichtet werden. Das Serviceangebot der Hochschulbibliothek rund um das Thema wird seither ausgebaut. Die operative OA-Policy ist ein wesentliches Element der OA-Strategie der Jade Hochschule. Diese Strategie wird unter anderem den weiteren kooperativen Ausbau der Publikationsinfrastrukturen beinhalten - zum Beispiel durch geeignete Archivierungssysteme für Forschungsergebnisse, sogenannte Repositorien.
Die Rahmenbedingungen für die wissenschaftliche Forschung verändern sich laufend. Es gibt eine starke Entwicklung hin zur offenen Wissenschaft (Open Science). Damit verbunden sind neue Anforderungen der Forschungsförderer auch zur OA-Veröffentlichung von Forschungsprimärdaten. So wird empfohlen, bereits jetzt vorhandene Möglichkeiten zur Verfügbarmachung von Forschungsprimärdaten im Open Access zu nutzen. Der hohen Veränderungsdynamik wird durch die OA-Policy Rechnung getragen.

JW: Sie wurden zur Open-Access-Beauftragten der Jade Hochschule ernannt. Welche Aufgaben nehmen Sie in dieser Funktion wahr?

Clauditz: Ich freue mich sehr auf die neuen, vielfältigen Aufgaben zur Unterstützung der Open-Access-Kultur an der Jade Hochschule. Im Fokus meiner zukünftigen Aktivitäten stehen die Information und Beratung zum Thema Open Access sowie die Beantragung finanzieller Förderungen.
Hierzu zählt zum einen der strategisch-politische Bereich: Welche Entwicklungen gibt es auf nationaler und internationaler Ebene im Hinblick auf Open Access und Open Science? Welche Chancen und Anforderungen ergeben sich derzeit und in Zukunft daraus, die dann im Zusammenspiel aller Stakeholder an der Jade Hochschule gestaltet werden können oder müssen?
Im Hause geht es natürlich zentral darum, ein umfassendes Beratungs- und Infrastrukturangebot zu OA für Mitglieder der Jade Hochschule zu etablieren und nachhaltig auszubauen. Hierzu zählt die Unterstützung bei der Bewertung und Auswahl geeigneter Verlage und Journals für das jeweilige Fachgebiet.

Die Debatte um sogenannte „Fake Journals“ hat noch einmal gezeigt, wie wichtig Qualitätskriterien und -standards im Zuge der Open Access-Transformation sind.

Viele der klassischen Qualitätssicherungsverfahren wie z.B. Peer Review finden auch im OA-Bereich Anwendung. Neue Indikatoren und Zertifikate sind hinzugekommen und sichern die freie Zugänglichmachung von Texten und Daten. Zu diesen Themen wird es regelmäßige Informationsveranstaltungen geben.
Neben den Aktivitäten innerhalb der Hochschule werde ich mich weiter in nationalen und internationalen Netzwerken engagieren und die Best-Practice-Erfahrungen aus den Communities in meine Arbeit an der Hochschule einbringen.

JW: Wie unterstützen Sie unsere Forscher_innen bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse bzw. mit welchen Anliegen können sich die Kolleg_innen an Sie wenden?

Clauditz: Ich stehe zunächst für alle Fragen rund um die Nutzung von OA-Ressourcen und das OA-Publizieren zur Verfügung. Bisherige Schwerpunkte in der Beratung sind grundsätzliche Fragen zu den Optionen des Publizierens und zur Auswahl geeigneter, qualitätsgeprüfter Zeitschriften. Von großem Interesse ist natürlich auch die Möglichkeit der Übernahme von Artikelpublikationskosten durch den OA-Publikationsfonds der Hochschule. Zusätzliche Fördermöglichkeiten für Veröffentlichungen ergeben sich durch nationale Lizenzverträge mit den führenden Wissenschaftsverlagen – derzeit vor allem im Kontext des Projektes DEAL, und auch auf Landesebene wird ein Publikationsfonds entstehen.
Zur korrekten Zuordnung einer Publikation zu den jeweiligen Autor_innen und für die optimale Auffindbarkeit sind eindeutige Identifikatoren unverzichtbar – etwa eine Open Researcher and Contributor-ID (ORCiD). Auch hierzu biete ich gern Unterstützung an.
Ein weiterer Aspekt des OA-Publizierens ist das Zweitveröffentlichungsrecht, das alle Autor_innen unter bestimmten Bedingungen gemäß § 38, Abs. 4 UrhG ausüben oder durch entsprechende Klauseln in ihren Autorenverträgen bei den Verlagen durchsetzen können.
Nicht nur bei rechtlichen Fragen gilt es, die vorhandene Expertise im Hause zu bündeln, abzustimmen und ggf. bei Spezialthemen durch externen Input zu ergänzen. Hier sehe ich mich in einer Schnittstellenfunktion. Dies ist natürlich keine abschließende Aufzählung. Sollten weitere Fragen bestehen: Bitte sprechen Sie mich gerne an.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Katrin Keller
Katrin Keller

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