Eintauchen in die Welt des gedruckten Wortes

Ausstellung M3 – Medium, Message, Massage

Rundblick kompetent

Die Zeitung ist das „Medium des zweiten Gedankens“, schreibt der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in einem Begleittext zum Kunst- und Medienprojekt „m3“ des Künstlers Uwe Appold und des Journalisten Stephan Richter. Die Bedeutung des gedruckten Wortes für die mediale Kommunikation wird deutlich, schaut man auf die Veränderungen der politischen und gesellschaftlichen Debatten seit dem Siegeszug des Internets.

In der „m3“-Ausstellung hat der Maler und Bildhauer Uwe Appold 50 Original-Zeitungen aus mehr als 300 Jahren in ebenso ungewöhnliche wie überraschende Rahmen gesetzt. Mit künstlerischen Mitteln deutet Appold Texte und Fotos und regt die Betrachter der Objekte zur Auseinandersetzung an. „Durch die zusätzliche Ebene wird der Blick auf die Medien geweitet. Was macht die Zeitung mit dem Betrachter – was für Gedanken und Bilder lösen die Schlagzeilen aus?“, fragt der 1942 in Wilhelmshaven geborene Künstler, dessen Werke europaweit in Ausstellungen gezeigt wurden, darunter im Europäischen Parlament in Brüssel oder beim Büro der Vereinten Nationen in Genf. Aktuell ist Appold vom internationalen Hilfswerk MISEREOR als zweiter deutscher Künstler überhaupt mit der Gestaltung des „Hungertuchs“ betraut wurden. Die Kunstreihe gehört zu den bedeutendsten Initiativen zeitgenössischer sakraler Kunst weltweit.

Zusammen mit dem Journalisten Stephan Richter, der zunächst als Parlamentskorrespondent in Bonn arbeitete und später mehr als zwei Jahrzehnte als Chefredakteur zu den führenden Journalisten deutscher Regionalzeitungen gehörte, wollen die Initiatoren des Kunst- und Medienprojektes zur gesellschaftlichen Debatte über die Medien im 21. Jahrhundert anregen. „Hier geht es nicht um einen nostalgischen Blick auf das gedruckte Wort, sondern um Mutmaßungen über eine glückende Kommunikation im 21. Jahrhundert“, schrieb der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Dietmar Wolff, zur Eröffnung der Ausstellung in Berlin. Der international renommierte Künstler und Kommunikationsdesigner Prof. Michael Schirner („Pictures in our Minds“) bezeichnete die Arbeiten als einmaligen, mitreißenden Blick in die „Gutenberg-Galaxie“. Die Exponate würden in Anlehnung an den großen Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan auf besondere Weise zum Medium und zur Botschaft.

Bei der Zusammenstellung der Originalausgaben unterschiedlichster deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ging es nicht um eine technologische Zeitreise oder um einen historischen Blick auf besondere Ereignisse – zumal, wenn sie im kollektiven Gedächtnis mit besonderen Erinnerungen verknüpft sind. Die Auswahl macht vielmehr das oftmals Banale und Alltägliche in der Nachrichtenflut sowie den ständigen, von Aktualität getriebenen Wandel deutlich. Zu jedem Kunstobjekt hat Uwe Appold - ergänzend zur Originalzeitung - Zeichnungen und Collagen geschaffen, in denen er einzelne Meldungen, Schlagzeilen, Fotos oder auch Anzeigen des jeweiligen Mediums aufgreift.

Uwe Appold hat den von Stephan Richter gesammelten Zeitungsausschnitten neue Rahmen gegeben. „Damit hebt er sie aus ihrem Dasein als vergilbtes, beliebiges Fischeinwickelpapier heraus und verschafft einzelnen Zeitungsseiten einen besonderen Stellenwert, adelt sie zum Kunstwerk und zum individuellen, besonderen Dokument“, bemerkt Dr. Andrea Czepek, Professorin für Journalismus, zur Eröffnung der Ausstellung. „Ein in der Journalismuswissenschaft viel diskutiertes Konzept ist das so genannte „Framing“. Es bedeutet, dass Journalismus nicht völlig neutral und ohne Zusammenhang über bestimmte Themen berichtet, sondern dass die Berichterstattung in einem bestimmten Rahmen stattfindet. Dieser Rahmen gibt vor, welche Themen für wichtig erachtet werden, welche Aspekte überhaupt berichtet werden und vor allem, wie die Ereignisse interpretiert werden.“ Dies sehe man, sagt Czepek, bei den von Appold bearbeiteten Zeitungen aus Kriegszeiten, bei denen Appold die zeitgenössische Rahmung hervorhebt und aus heutiger Sicht neu interpretiert.

Die Wilhelmshavener Ausstellung M3 – Medium, Message, Massage wurde am 4. Juli um 19 Uhr in der Sparkassenzentrale am Theaterplatz in Wilhelmshaven eröffnet.
Den Einführungsvortrag sprach Dr. Andrea Czepek, Professorin für Journalismus an der Jade Hochschule.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. August zu sehen.

Ein Katalog zur Ausstellung ordnet die Printprodukte in die Geschichte des deutschen Zeitungswesens ein und macht die Verknüpfungen zwischen einzelnen Textauszügen aus den Printprodukten und deren künstlerische Deutungsversuche deutlich. Essays von Medienwissenschaftlern und Historikern regen zum Nachdenken darüber an, wie das gedruckte Wort die Wahrnehmung und den Wandeln der Welt geprägt hat – und wie das digitale Zeitalter das Denken und Handeln verändert.   

"Uwe Appold adelt die gesammelten Zeitungsausschnitte zum Kunstwerk und zum individuellen, besonderen Dokument."

Prof. Dr. Andrea Czepek