Ein Faible für Nepal

„Für mich wird Nepal nicht langweilig. Je öfter ich da bin, umso mehr entdecke ich.“

Menschen

„Für mich wird Nepal nicht langweilig. Je öfter ich da bin, umso mehr entdecke ich.“ Prof. Dr. Beate Illg pflegt ihr Faible für Nepal: Seit 2008 ist sie regelmäßig sowohl privat als auch beruflich dort, des Öfteren hat sie schon mehrere Wochen und Monate am Stück im Himalaja gelebt. Für die Jade Hochschule initiierte sie die Hochschulkooperation mit der Kathmandu University; mit dem Medienprojekt „Media School“ für Studierende wurde diese bereits vier Mal mit Leben gefüllt – abwechselnd in Wilhelmshaven und Kathmandu.

Illgs Karriere an der Jade Hochschule begann als Verwalterin einer Professur. „Ich wusste zunächst nicht, wie lange ich hier bleiben könnte und nahm mir vor, auf jeden Fall das Beste aus der Zeit zu machen. Auch forschen wollte ich unbedingt.“ Inzwischen sind sieben Jahre vergangen. Illg ist mittlerweile Professorin für Kommunikationswissenschaft und leitet gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Dr. Michael Klafft das Institut für Medienwirtschaft und Journalismus. Ihr Drang zu forschen ist geblieben.

Ihren eigenen Forschungsschwerpunkt hat die gebürtige Hessin auf die nepalesische Kultur gelegt. Hier verbindet sie das persönliche Interesse für Land, Kultur und Menschen mit ihrer Neigung, wissenschaftlichen Fragestellungen intensiv auf den Grund zu gehen. Sie analysiert die Rolle von Journalistinnen und Journalisten im Kontext der Demokratieentwicklung in Nepal und Bhutan. Erste Ergebnisse hat sie kürzlich mit drei weiteren Wissenschaftlerinnen der Jade Hochschule in ihrem Buch „Freiheit und Journalismus“ veröffentlicht. Einen für dieses Jahr geplanten Sammelband „Journalism and Journalism Education in Developing Countries“ gibt Illg gemeinsam mit einer anderen Wissenschaftlerin heraus.
 

Voice of the Voiceless

„Man muss sich auf die Kultur einlassen“, erzählt Illg. Und das hat sie in den letzten Jahren, in denen sie Nepal kennengelernt hat, auch getan. „Seitdem ich mich mit meinem Forschungsgebiet intensiver auseinander setze, hat sich auch meine Perspektive auf den Journalismus verändert.“ Sie hat festgestellt: Sowohl in Nepal als auch in Bhutan gibt es einen „Problemlösungs-Journalismus“. In ihren Interviews erfuhr sie immer wieder, dass es den Journalist_innen in beiden Ländern ein Bedürfnis ist, für die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen zu sorgen. Sie können ihren Beruf und das Gemeinwohl in Verbindung bringen – ein sehr lobenswerter Ansatz, findet Illg.
 

Happiness is a Place

Während sie im Februar dieses Jahres mit ihren Studierenden an der „Media School“ der Kathmandu University teilnahm (die Jade Welt berichtete), war Illg zuvor durch Bhutan gereist, um auch hier mit Journalist_innen über die Lage der Medien in ihrem Land zu sprechen. Neben sehr interessanten und offenen Gesprächen erfuhr Illg auch viel über die Kultur und den Alltag. Langfristige Terminplanung war in Bhutan nicht angesagt, die spontane Interviewbereitschaft der Journalist_innen dafür umso höher.

Obwohl Bhutan und Nepal geografisch direkt nebeneinander liegen, unterscheiden sie sich in vielen Punkten. Beide Länder sind seit 2018 offiziell demokratisch. Während in Nepal ein zehnjähriger Guerilla-Krieg vorausging, war es in Bhutan der König selbst, der diese Entwicklung initiierte. In Nepal sind Journalist_innen immer wieder massiven Gewaltdrohungen ausgesetzt. Im deutlich kleineren und bevölkerungsärmeren Bhutan sind es eher sozialer Druck und die „Schere im Kopf”, die investigativen Journalismus erschweren.

In Nepal liegt der Lebensstandard deutlich unter dem, was wir in Deutschland gewohnt sind, weiß Illg. „Das Land gilt aus westlicher Sicht als armes Land. Die Menschen dort haben aber eine andere Sicht auf das Leben. Ich denke manchmal, dass die Menschen dort auf ganz andere Art reich sind – vielleicht sogar reicher als wir.“

„Man muss sich auf die Kultur einlassen.“

Prof. Dr. Beate Illg