Dr. Oda von Rahden an die Jade Hochschule berufen

Den Hebammen-Beruf aus der „Bildungssackgasse“ führen

Prof. Dr. Oda von Rahden (Foto: privat)
Prof. Dr. Oda von Rahden (Foto: privat)

Dr. Oda von Rahden wurde Anfang Februar auf eine Professur für Hebammenwissenschaft an die Jade Hochschule berufen. Sie lehrt und forscht künftig in der Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen am Campus Oldenburg. Die Jade Welt (JW) fragt nach…

JW: Was hat Sie zum Wechsel an die Jade Hochschule bewogen?

von Rahden: Durch die Reform des Hebammengesetztes wird nun deutschlandweit die Ausbildung von Hebammen auf ein akademisches Niveau gehoben. Ein lang fälliger Schritt, um die Qualität der Ausbildung an die heutigen Ansprüche anzupassen, den Beruf aus der „Bildungssackgasse“ zu führen und international anschlussfähig zu machen. Diesen Reformprozess möchte ich gerne mitgestalten. Durch Kooperationen mit verschiedenen Praxispartnern hat die Jade Hochschule bereits eine sehr gute Basis für die duale grundständige Hebammenausbildung gelegt, die es nun weiterzuentwickeln gilt. Der Studiengang Hebammenwissenschaft fügt sich sehr gut in die Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen ein. Die Abteilung bietet mit dem Aufbau der Studiengänge im Gesundheitsbereich ein Umfeld mit viel Potential für interdisziplinäre Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. Diese Interdisziplinarität habe ich bei meinen bisherigen beruflichen Stationen stets sehr bereichernd erlebt und freue mich daher auf die zukünftige Zusammenarbeit.

JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?

von Rahden: Von hochschulisch ausgebildeten Hebammen erwarten wir nicht nur eine hohe praktische Kompetenz. Es geht auch um die Vermittlung von hebammenwissenschaftlichen Erkenntnissen und wissenschaftlicher Methodenkompetenz, so dass den Absolventinnen neben der praktischen Tätigkeit als Hebamme auch eine wissenschaftliche Laufbahn offensteht. Ziel ist letztlich, dass sich die Jade Hochschule als ein Ort der akademischen Ausbildung und Qualifizierung für Hebammen etabliert und so seinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Ausbildung, entsprechend den heutigen Erfordernissen an eine sichere und nutzerinnenorientierte Geburtshilfe und -Medizin, leistet.

Da sich die grundständige Ausbildung von Hebammen auf Hochschulniveau in Deutschland gerade erst zu etablieren beginnt, müssen Strukturen für eine enge Verzahnung der beiden Ausbildungsorte entwickelt werden. Neben der Vermittlung von Wissen an der Hochschule und dem Theorie-Praxis-Transfer, wird die Erfahrung der praktisch tätigen Hebammen für die Anleitung in der Praxis unentbehrlich sein. Mit seinem Fortbildungsangebot für Praxisanleiter_innen leistet das Zentrum für Weiterbildung der Jade Hochschule hier bereits einen guten Beitrag.

JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?

von Rahden: Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Medikalisierung eines an sich natürlichen Prozesses, sind Hebammen nicht nur gefordert, sich in ihrer Arbeit an Evidenzen zu orientieren, sondern müssen ihre Tätigkeit reflektieren und eine eigene Haltung entwickeln. Es ist mir ein Anliegen, die Studierenden zu befähigen, kritisch zu analysieren, welche Maßnahmen den natürlichen Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begünstigen und welche wiederrum zu einer Medikalisierung führen.

Neben ethischen Aspekten in Zusammenhang mit Pränataldiagnostik und Frühgeburtlichkeit, interessiere ich mich für die Nutzerinnenperspektive geburtshilflicher Versorgung. Welche Aspekte geben Sicherheit? Welches Maß an Selbstbestimmung ist Schwangeren wichtig und wie kann dies umgesetzt werden? Welche Bedeutung kommt der personellen Kontinuität in der Betreuung zu? Diesen Themenkomplexen möchte ich im Rahmen meiner Forschung weiter nachgehen.

Werdegang

Nach dem Examen als Hebamme arbeitete Oda von Rahden freiberuflich und als angestellte Hebamme in den Bereichen Geburtsvorbereitung, klinische Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung, bevor sie 2002 ein Studium zur Diplom Psychologin absolvierte. Daran schloss sich die Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen an, zunächst am Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), später am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP). 2011 promovierte sie zum Thema: „Die Wahl des Geburtsorts – Eine Analyse der Entscheidungskriterien am Beispiel des Hebammenkreißsaals“. Vor dem Antritt der Professur für Hebammenwissenschaft an der Jade Hochschule war die 53-Jährige als Psychologin am Klinikum Oldenburg im Bereich Neonatologie und Geburtshilfe tätig. Sie führte dort das Projekt „Vollfrühweit“ durch, welches die Belastungen von Eltern frühgeborener Kinder bei weit entferntem Heimatort, untersuchte.

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Katrin Keller
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