Öffentlich-rechtliche Medien stehen vor großen Herausforderungen

Die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland, also die Sender ARD, ZDF und das DeutschlandRadio sowie deren Online-Angebote, stehen vor großen Herausforderungen und müssen sich verändern, um diesen zu begegnen. Das verdeutlichte Dr. Christine Horz von der Ruhr-Universität Bochum am Donnerstag in ihrem Beitrag zur Vortragsreihe des Instituts für Medienwirtschaft und Journalismus (InMWJ) an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven.

Studium Campus kompetent

Zu den aktuellen Herausforderungen zählte sie die Digitalisierung und damit einhergehend die Vielzahl an Ausspielwegen. Gerade die junge Zielgruppe ist vorwiegend im Internet unterwegs, nutzt zu einem großen Teil soziale Medien wie Instagram oder Facebook und wählt Inhalte aktiv aus einem breiten Medienangebot aus. Hierbei machen globale Akteure wie YouTube und Netflix den Öffentlich-Rechtlichen zunehmend Konkurrenz. Hinzu kommen politische, regulatorische und ökonomische Herausforderungen, wie beispielsweise der Streit mit den Zeitungsverlegern um die Tagesschau-App und generell die Debatte um die Legitimität der öffentlich-rechtlichen Medien und ihrer Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag.

Reform für die Öffentlich-Rechtlichen

Zur Frage, wie die Öffentlich-Rechtlichen sich reformieren müssten, um im Zeitalter der Digitalisierung zu bestehen, stellte Christine Horz verschiedene Ansätze vor. Einer davon ist das Forschungsprojekt EPOS (European Public Open Spaces). Die Idee dahinter ist, alle gemeinwohlorientierten Akteure, also die öffentlich-rechtlichen Medien mit ihren Angeboten, aber auch beispielsweise Museen, Archive und Wissenschaftsinstitutionen, auf einer Plattform zusammenzufassen. Als ganz wichtigen Aspekt nannte Horz dabei die Beteiligung der Bürger bei der Regulierung und bei der Politik des neuen Mediums. Dabei stelle sich jedoch die Tatsache, dass sich in Deutschland – anders als in anderen Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz – die Bürger noch nicht viel mit diesem Thema auseinandergesetzt hätten und entsprechend schwierig zu motivieren seien, als Problem dar.

Was denkt die Zielgruppe?

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zu der Frage, ob die öffentlich-rechtlichen Medien eigentlich noch gebraucht würden und wie sie sich verändern müssten. Dabei wurde deutlich, dass die jüngere Zielgruppe, die im Publikum durch Studierende des Studiengangs Medienwirtschaft und Journalismus zahlreich vertreten war, bestimmte Angebote der Öffentlich-Rechtlichen, wie das Satire-Format Neo Magazin Royale mit Jan Böhmermann oder den 2016 gestarteten Kanal funk.net, durchaus zu schätzen weiß. Sie wünscht sich aber mehr Formate, die für alle (und nicht nur für das ältere Publikum) interessant sind. Eine Studentin machte deutlich, dass die 20-Uhr-Nachrichten für die Generation, die quasi ständig online und somit auch rund um die Uhr mit Nachrichten versorgt ist, keinen Mehrwert bieten. Einigkeit herrschte darüber, dass die Öffentlich-Rechtlichen zur Sicherung der freien Meinungsbildung in einer Demokratie selbstverständlich gebraucht würden, dass sie aber nicht nur ihre Struktur und ihre Angebote reformieren, sondern auch in einen nachhaltigen Dialog mit ihrem Publikum treten müssten.

Hintergrund

Dr. Christine Horz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft (IfM) an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist Gründerin der Initiative zur Etablierung von Publikumsräten e.V. (www.publikumsrat.de) und Mitverfasserin der zehn Thesen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien (www.zukunft-öffentlich-rechtliche.de). Sie lehrt und forscht zu Medienbeteiligungsprozessen in öffentlich finanzierten Medien, aktuell im Projekt EPOS sowie zu internationaler und transkultureller Kommunikation wie der Medienbeteiligung und -exklusion von Migrantinnen und Migranten.

Das könnte Sie auch interessieren.