Herausforderungen der Nachrichtenagenturen in Zeiten von Medienwandel, Social Media und Fake News

Vortrag von Dr. Thomas Brey, Korrespondent und Leiter des Regionalbüros der Deutschen Presse-Agentur dpa in Belgrad.

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Welchen Herausforderungen müssen sich Nachrichtenagenturen heutzutage stellen? Und wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Arbeit der Nachrichtenagenturen aus? Im Rahmen der Vortragsreihe des Instituts für Medienwirtschaft und Journalismus (InMWJ) erläuterte Dr. Thomas Brey, Korrespondent und Leiter des Regionalbüros der Deutschen Presse-Agentur dpa in Belgrad, mit welchen Problemen Nachrichtenagenturen wie die dpa im Zeitalter von rückläufigen Zeitungsauflagen, Fake News und Co. konfrontiert werden.

Mediennutzung im Wandel

Eine der größten Herausforderungen für Nachrichtenagenturen zeigt sich in dem dramatischen Rückgang der Auflagen deutscher Zeitungen. Die Kunden der Nachrichtenagenturen kämpfen mit dem Medienwandel und verzeichnen stetig schwindende Auflagen. Vor allem junge Menschen lesen heute zunehmend weniger Zeitung und nutzen das Internet zur Information, berichtet Brey. Hinzu kommt die Übermacht der großen Internetkonzerne, die die teuer produzierten Inhalte von Verlagen und Nachrichtenagenturen kostenfrei auf ihren Seiten zur Verfügung stellen, um Werbeeinnahmen zu generieren. Qualitativen Content zu produzieren ist teuer und aufwendig. Das Abschöpfen der Inhalte kann so schnell zur Verarmung einer ganzen Industrie führen.

Falschmeldungen und Manipulationen

Nachrichtenagenturen verstehen sich, nach Ansicht von Brey, als Gegenpol zu Social Media: Sie wählen Informationen nach Relevanz aus, prüfen vorab die Fakten und ordnen den Sachverhalt in einen entsprechenden Kontext ein. In Zeiten von Fake News und Manipulationen vor allem in den Sozialen Medien sind die Nachrichtenagenturen gezwungen relevante Netzwerke permanent zu beobachten, Meldungen zu filtern und Falschnachrichten zu entlarven. Dabei ist auch die dpa nicht davor gefeit auf Falschmeldungen hereinzufallen wie das Beispiel einer vermeintlich geklauten Pistenraupe, über die die dpa berichtete, zeigt. Der Schaden für Nachrichtenagenturen kann dabei mitunter immens sein, erklärte Dr. Thomas Brey, denn das Vertrauen ihrer Kunden ist für sie das wichtigste Kapital. Um Fälschungen, irreführende oder erfundene Inhalte und betrügerische Quellen zu entlarven ist Faktenprüfung das zentrale Mittel.

Hintergrund

Die Nachrichtenagentur dpa wurde 1949 gegründet und sammelt, verarbeitet und verbreitet Nachrichten- und Bildmaterial sowie Grafiken, Audio, Video und Multimedia Angebote. Dabei agieren sie unparteiisch und unabhängig. Insgesamt arbeiten etwa 1.000 Journalisten in mehr als 100 Ländern für die dpa. Dr. Thomas Brey war fast 40 Jahre für die Deutsche Presse-Agentur dpa als Korrespondent und Regionalbüroleiter für Südosteuropa mit Sitz in Belgrad tätig. Neben zahlreichen Beiträgen in wissenschaftlichen Zeitschriften über die Balkanländer ist er an vielen deutschen Universitäten mit Lehraufträgen und Vorlesungen unterwegs.

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